Du planst, Deutschland zu verlassen und fragst dich, welche steuerlichen Konsequenzen das für dich haben könnte? Die Wegzugsbesteuerung ist ein zentrales Thema, das viele Auswanderer betrifft. Sie greift, wenn du deinen Wohnsitz ins Ausland verlegst und dabei wesentliche Beteiligungen an inländischen Kapitalgesellschaften hältst.
“Wenn du ein Einzelunternehmen hast, trifft dich zwar die Wegzugsteuer nicht – aber auch hier sind die steuerlichen Folgen (Entstrickung bei einzelnen Wirtschaftsgütern oder Funktionsverlagerung bei kompletter Mitnahme des Einzelunternehmens) zu bedenken. Es fallen also grundsätzlich immer Wegzugssteuern an, wenn du Werte ins Ausland verlagerst und Deutschland das Besteuerungsrecht an den Werten (den sogenannten stillen Reserven) verliert.”
Kommentar – Patric Böhle von der BaBo Tax Steuerberatungsges mbH
Diese Regelung kann erhebliche finanzielle Auswirkungen haben und erfordert eine sorgfältige Planung. In diesem Artikel erfährst du, was genau die Wegzugsbesteuerung ist, wen sie betrifft und wie du dich optimal darauf vorbereiten kannst. So kannst du sicherstellen, dass dein Umzug ins Ausland nicht zu unerwarteten Steuerlasten führt.
Das Wichtigste in Kürze:
💲Wegzugsbesteuerung erklärt: Die Wegzugsbesteuerung greift, wenn du Deutschland verlässt und dabei wesentliche Anteile an Kapitalgesellschaften hältst. Ähnlich verhält es sich bei einer Funktionsverlagerung oder Entstrickung bei Einzelunternehmen. Sie dient dazu, Steuerflucht zu verhindern.
🧑⚖️ Gesetzesänderungen: Seit 2022 gibt es bedeutende Gesetzesänderungen, die sich auf die Wegzugsbesteuerung auswirken. Die Abgabefrist der Steuererklärung wurde verlängert und Maßnahmen wurden gegen Steuervermeidung verschärft.
🧮 Berechnung und Beispiele: Die Besteuerung basiert auf einem fiktiven Verkauf der Anteile zum Zeitpunkt des Wegzugs. Der Verkaufserlös wird durch Multiplikation des durchschnittlichen Gewinns der letzten drei Jahre mit einem festgelegten Faktor ermittelt, von dem ein bestimmter Prozentsatz zu versteuern ist.
💡 Strategien zur Steuervermeidung: Gesetzliche Ausnahmen, der Verkauf von Anteilen vor dem Wegzug, Ratenzahlungen und Stundung sind einige der wichtigsten Strategien zur Reduzierung oder Vermeidung der Steuerlast.
🇩🇪 Doppelbesteuerungsabkommen: Ein Umzug in ein Land mit einem Doppelbesteuerungsabkommen kann helfen, steuerliche Nachteile zu vermeiden. Diese Abkommen regeln, welches Land das Besteuerungsrecht hat.
Was ist die Wegzugsbesteuerung?
Die Wegzugsbesteuerung in Deutschland greift, wenn du das Land verlässt und bestimmte Bedingungen erfüllst. Ihr Ziel: Steuerflucht verhindern, indem Vermögenswerte nicht einfach ins Ausland verlagert werden können.
Wer unterliegt der Wegzugsbesteuerung?
- Wenn du mehr als 7 Jahre in Deutschland gelebt hast. Diese Mindestzeit musst du hier wohnhaft gewesen sein.
- Wenn du mehr als 1 % der Anteile an einer Kapitalgesellschaft besitzt. Hast du nennenswerte Beteiligungen an inländischen Unternehmen, bist du betroffen.
- Wenn du keine begründete Erwartung hast, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Planst du nicht, in naher Zukunft zurückzukommen, greift die Steuer.

Einfluss von Gesetzesänderungen auf die Wegzugsbesteuerung
Neuregelungen seit 2022
Mit dem Gesetz zur Umsetzung der Anti-Steuervermeidungsrichtlinie (ATAD) wurden ab 2022 wesentliche Änderungen eingeführt:
- Die unbefristete Stundungsmöglichkeit für EU/EWR-Wegzüge wurde abgeschafft.
- Eine Ratenzahlung über sieben Jahre ist nun die Regel.
- Die Rückkehrregelung wurde auf sieben Jahre (in bestimmten Fällen bis zu 12 Jahre) ausgedehnt.
Diese Neuregelungen können große Auswirkungen auf deine steuerlichen Verpflichtungen haben, wenn du wesentliche Beteiligungen an inländischen Kapitalgesellschaften besitzt und Deutschland verlässt.
Berechnung der Wegzugsbesteuerung
Die Wegzugsbesteuerung greift, sobald du dich in Deutschland abmeldest und bestimmte Voraussetzungen erfüllst. Es wird ein fiktiver Verkauf deiner Anteile an Kapitalgesellschaften angenommen oder deines Einzelunternehmens, um die Steuer zu berechnen.
Wie wird die Steuer berechnet?
Die Berechnung der Wegzugsteuer erfolgt in drei Schritten:
- Ermittlung des gemeinen Werts (Marktwert) der Gesellschaftsanteile bzw. deines Unternehmens) zum Zeitpunkt des Wegzugs.
- Abzug der Anschaffungskosten der Kapitalanteile.
- Besteuerung des resultierenden fiktiven Veräußerungsgewinns
Beispielrechnungen zur Verdeutlichung
Angenommen, ein GmbH-Gesellschafter oder Einzelunternehmer plant den Wegzug ins Ausland. Der durchschnittliche Gewinn der Gesellschaft in den letzten drei Jahren vor dem Wegzug beträgt 186.500 Euro. Zur Berechnung der Wegzugssteuer wird dieser Durchschnittswert mit dem Faktor 13,75 multipliziert:
- 186.500 Euro × 13,75 = 2.564.375 Euro
Von diesem Wert sind 60 Prozent mit dem persönlichen Steuersatz des Gesellschafters zu versteuern.
- 2.564.375 Euro × 0,60 = 1.538.625 Euro
Angenommen, der persönliche Steuersatz beträgt 40 Prozent, ergibt sich folgende Steuerlast:
- 1.538.625 Euro × 0,40 = 615.450 Euro
In diesem Beispiel beträgt die Wegzugssteuer 615.450 Euro.
“Bei Einzelunternehmen ist der Wert wie im vorgenannten Beispiel zu berechnen – mit der Besonderheit, dass ein fiktives (angemessenes) Geschäftsführergehalt von dem Ertrag abzuziehen ist. Hierbei ist die Karlsruher Tabelle (angemessene GF-Bezüge) zugrunde zu legen. Der Vervielfältiger ist mit diesem korrigierten Wert zu multiplizieren und der Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern.”
Kommentar – Patric Böhle, BaBo Tax Steuerberatungsges mbH
Auswirkungen der Wegzugsbesteuerung
Die Wegzugsbesteuerung in Deutschland hat spezifische Regelungen, die du kennen solltest, wenn du planst, deinen Wohnsitz ins Ausland zu verlegen.
Verschärfung der Wegzugsbesteuerung ab 2022
Seit 2022 gibt es bei der Wegzugsbesteuerung wichtige Änderungen. Die Stundung der Steuer ist nicht mehr unbefristet und zinslos möglich. Stattdessen kannst du die Steuer auf Antrag in sieben Jahresraten zahlen, allerdings nur mit einer Sicherheitsleistung.
Verkürzung der Frist zur Steuerpflicht
Die Frist zur Steuerpflicht wurde von 10 auf 7 Jahre verkürzt. Das bedeutet, dass du deinen Wohnsitz mindestens 7 Jahre in Deutschland gehabt haben musst, um der Wegzugsbesteuerung zu unterliegen.
Benachteiligung von Wegzügen ins EU-Ausland
Die Wegzugsbesteuerung für EU-/EFTA-Staaten und die Schweiz wird oft als europarechtswidrig angesehen. Das liegt daran, dass sie Umzüge innerhalb Deutschlands bevorzugt. Wenn du also in einen EU-/EFTA-Staat oder die Schweiz ziehst, könnte das für dich nachteilig sein.
Doppelbesteuerungsabkommen
Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) können dir helfen, steuerliche Nachteile zu vermeiden. Diese Abkommen regeln, welches Land das Besteuerungsrecht hat, um eine doppelte Steuerbelastung zu verhindern. Informiere dich über bestehende DBA zwischen Deutschland und deinem neuen Wohnsitzland. Deutschland hat seit 31.12.2021 kein Doppelbesteuerungsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Besonderheiten bei Wegzug in EU-/EWR-Staaten und in Drittstaaten
Besondere Regelungen gelten für Wegzüge in EU-/EWR-Staaten und Drittstaaten.
- EU-/EWR-Staaten: Hier hast du möglicherweise erleichterte Bedingungen für eine Stundung oder Befreiung der Wegzugsbesteuerung.
- Drittstaaten: Bei Wegzügen in Drittstaaten gelten oft strengere Regeln. Die Möglichkeit zur Stundung ist eingeschränkt und erfordert zusätzliche Sicherheiten.
Diese steuerlichen Besonderheiten solltest du bei deiner Auswanderungsplanung berücksichtigen, um unnötige finanzielle Belastungen zu vermeiden.
Wegzugsteuer vs. Entstrickungssteuer
Wegzugsteuer
Die Wegzugsteuer betrifft natürliche Personen, die Anteile an in- und ausländischen Kapitalgesellschaften besitzen und Deutschland verlassen. Wenn du deinen Wohnsitz ins Ausland verlegst und mehr als 1 % der Anteile an einer Kapitalgesellschaft besitzt, greift die Wegzugsteuer. Die Steuer wird auf den fiktiven Verkaufserlös deiner Anteile berechnet. Diese Steuerart ist eine Sonderform der Einkommensteuer und wird im Außensteuergesetz (AStG) und im Einkommensteuergesetz (EStG) geregelt.
Wichtige Punkte der Wegzugsteuer:
- Mindestens 7 Jahre Wohnsitz in Deutschland
- Besitz von mehr als 1 % der Anteile an einer Kapitalgesellschaft
- Keine begründete Erwartung, nach Deutschland zurückzukehren
Seit 2022 gibt es wichtige Änderungen. Die Frist für die Steuererklärung wurde verlängert, Maßnahmen gegen Steuervermeidung wurden verschärft und die Steuerstundung ist auf sieben Jahre begrenzt.
Entstrickungssteuer
Die Entstrickungssteuer gilt für Unternehmen, die ins Ausland verlagert werden. In diesem Fall ist deine Gesellschaft hier steuerpflichtig. Sie betrifft Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. Wenn ein Unternehmen seinen Sitz oder Betriebsstätte ins Ausland verlegt, wird die Entstrickungssteuer fällig. Die Steuer wird auf stille Reserven erhoben, die durch den Wegzug aufgedeckt werden.
Wichtige Punkte der Entstrickungssteuer:
- Gilt für Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften
- Steuerpflicht bei Verlagerung des Unternehmenssitzes ins Ausland
- Besteuerung von stillen Reserven beim Wegzug
„Wird i.d.R. (wie die GmbH) mit dem Firmenwert versteuert. Grundsätzlich, Gewinn der letzten Jahre abzgl. angemessenen GF-Gehalt x Vervielfältiger (vereinfachtes Ertragswertverfahren: x Vervielfältiger), siehe Ausführungen weiter oben.„
Kommentar – Patric Böhle, BaBo Tax Steuerberatungsges mbH
Sowohl Wegzugsteuer als auch Entstrickungssteuer haben spezifische Regeln und Anforderungen. Es ist daher ratsam, sich im Voraus umfassend zu informieren und steuerliche Besonderheiten zu berücksichtigen, um finanzielle Belastungen zu vermeiden. Du kannst dich hierzu bei uns und unseren Steuerberatern in einem kostenlosen Erstgespräch melden, um deine individuelle Situation zu evaluieren.

Möglichkeiten zur Vermeidung der Wegzugsbesteuerung bei Wohnsitzwechsel
Gesetzliche Ausnahmen und Schlupflöcher
Du solltest die gesetzlichen Ausnahmen und möglichen Schlupflöcher kennen. Der § 6 AStG und Paragraf 17 EStG bieten gewisse Ausnahmeregelungen. Zum Beispiel entfällt die Wegzugsbesteuerung, wenn du in ein EU-/EWR-Land ziehst und die Anteile an der Kapitalgesellschaft innerhalb von sieben Jahren nicht veräußerst. Diese Fristverlängerung wird gewährt, wenn du nachweisen bzw. vorher ankündigen kannst, dass du zurückkehren möchtest.
- Verkauf von Anteilen vor dem Umzug: Der Verkauf der Anteile vor dem Umzug kann die Steuerlast erheblich verringern. Wenn du ohnehin einen Verkauf planst, ist dies eine gute Option.
- Ratenzahlung der Steuer: Du kannst beim Finanzamt eine Ratenzahlung der Steuer beantragen. Dies hilft, die finanzielle Belastung zu strecken.
- Umzug in ein Land mit Doppelbesteuerungsabkommen: Durch den Umzug in ein Land mit einem bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen kannst du steuerliche Nachteile vermeiden. Deutschland hat seit 31.12.2021 kein DBA mit den Vereinigten Arabischen Emiraten mehr.
- Stundung der Steuer: Beantrage eine Stundung der Wegzugsbesteuerung. Unter bestimmten Umständen kannst du die Zahlung der Steuer über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren aufschieben. Eine Sicherheitsleistung ist jedoch erforderlich.
- Niedrige Steuerwertberechnung: Eine präzise Bewertung der stillen Reserven kann ebenfalls helfen. Je niedriger der Steuerwert, desto geringer die Steuerlast. Ein Gutachten eines Sachverständigen ist hier hilfreich.
Jede dieser Strategien bedarf einer sorgfältigen Planung und Abstimmung mit einem Steuerberater. So sicherst du einen reibungslosen Ablauf und vermeidest unerwartete finanzielle Belastungen.
Fazit
Die Wegzugsbesteuerung in Deutschland ist komplex und kann erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Wenn du planst auszuwandern und wesentliche Beteiligungen an inländischen Kapitalgesellschaften hältst, ist eine sorgfältige Planung unerlässlich. Du willst hier keine Fehler begehen.
Besondere Regelungen gelten je nach Zielland auch innerhalb der EU/EWR. Doppelbesteuerungsabkommen können helfen, steuerliche Nachteile zu vermeiden. Unser Steuerberater kann dir helfen, die besten Strategien zu entwickeln und unerwartete finanzielle Belastungen zu vermeiden.
Vergiss nicht, die Unterschiede zwischen Wegzugsbesteuerung und Entstrickungssteuer zu beachten. Beide haben spezifische Regeln, die du kennen solltest.
Du möchtest aus Deutschland weg und deine Firma in Dubai gründen? Mit der richtigen Planung und Beratung kannst du deinen Exit reibungslos gestalten und finanzielle Überraschungen vermeiden. Buche jetzt dein kostenloses Erstgespräch mit unseren Experten.
Häufig gestellte Fragen zum Thema
Wer muss Wegzugsbesteuerung bezahlen?
Die Wegzugsbesteuerung greift, wenn eine natürliche Person, die Anteile an Kapitalgesellschaften hält, ins Ausland zieht. Voraussetzungen sind, dass der Steuerpflichtige in den letzten zwölf Jahren mindestens sieben Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig war und innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens 1 % der Anteile an einer Gesellschaft besaß. Diese Regelung betrifft sowohl deutsche als auch ausländische Kapitalgesellschaften.
Wann fällt eine Wegzugsbesteuerung an?
Die Wegzugsbesteuerung wird fällig, wenn die oben genannten Bedingungen erfüllt sind und der Steuerpflichtige seinen Wohnsitz in Deutschland endgültig aufgibt. Bei einem nur vorübergehenden Wegzug kann die Wegzugsbesteuerung entfallen. Seit 2022 gibt es keine unbefristete, zinslose Stundungsmöglichkeit mehr, jedoch kann die Steuer auf Antrag in sieben Jahresraten gezahlt werden.
Bin ich in Deutschland steuerpflichtig, wenn ich im Ausland lebe?
Wenn Sie im Ausland leben, sind Sie in der Regel dort steuerpflichtig. Dennoch kann eine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland bestehen bleiben, wenn Sie entweder einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Die sogenannte 183-Tage-Regelung besagt, dass Sie in Deutschland steuerpflichtig sind, wenn Sie sich mehr als sechs Monate im Jahr dort aufhalten. Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und anderen Ländern können ebenfalls Einfluss auf Ihre Steuerpflicht haben.
Wird Auswandern besteuert?
Ja, das Auswandern z.B. nach Dubai kann durch die Wegzugsbesteuerung besteuert werden, wenn die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Diese Steuer kann eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen, da sie die stillen Reserven der Kapitalgesellschaftsanteile besteuert, als ob diese verkauft worden wären. Es ist daher ratsam, sich frühzeitig steuerlich beraten zu lassen, um mögliche Steuerfallen zu vermeiden und die Steuerlast zu minimieren.

